Erfolgreiche Behandlung
einer Stimmlippenlähmung trotz unterschiedlicher Muttersprache von Patient und
Therapeut
Sabine Hofmann (sabine.hofmann@tin.it)
Studio
logopedico ‘Mindworks’
Terni, Italy
Nur
zwei Monate nach Auftreten der ersten Symptome wurde für den Patienten eine
korrekte Diagnose gestellt. Direkt im Anschluss wurde mit der Therapie
begonnen. In diesem Fall war nicht nur die Stimmqualität beeinträchtigt,
sondern der Patient litt auch unter Atemproblemen und Schluckbeschwerden beim
Trinken. Ferner war die Schließfunktion der Glottis insgesamt beeinträchtigt.
Der Muskeltonus – insbesondere im Nackenbereich und
im rechten Arm – war erhöht. Beim Atmen waren keine Bewegungen des Bauchs zu
sehen.
In
einer ersten Phase konzentrierte sich die Therapie nach der Schlaffhorst-Andersen-Methode
auf die Beobachtung und Regulierung des Muskeltonus
sowie auf die Atmung durch passive Übungen. Der nächste Schritt war die
bewusste Reaktion auf motorische Impulse. Sämtliche Übungen wurden entsprechend
dem Atemrhythmus des Patienten ausgeführt. Dabei wurde die Pause nach dem
Ausatmen respektiert. Dank dieser Vorgehensweise konnten schnell positive
Reaktionen der Atmung wie beispielsweise tieferes Einatmen und ein einem
Seufzen ähnliches Ausatmen festgestellt werden. Die Stimmübungen stützten sich
auf die Wahrnehmung minimal ausreichender Kraft und maximaler Koordination
(z.B.: Atmung – Druck- und Zugimpulse – Phonation). Im Stehen bewirken Impulse
Reaktionen bei der Gleichgewichtsregulierung. Hierdurch wird der Muskeltonus verbessert, der Patient erhält physischen Halt
und Stabilität. Alle diese Übungen verfolgen bestimmte Zielsetzungen und werden
auf die individuellen Voraussetzungen abgestimmt. Durch die indirekte Nutzung
der körperlichen Erfahrungen und der nonverbalen Kommunikation bei den Übungen
als Grundkonzepte für die unbewusste Erarbeitung durch Metaphern haben die
Übungen auch eine allgemeinere Bedeutung, und zwar im
Hinblick auf relationale Aspekte und verschiedene mögliche Stressreaktionen.
Teilweise
kann die nonverbale Kommunikation eine erfolgreiche Behandlung gewährleisten,
und zwar gerade auch dann, wenn Patient und Therapeut aus unterschiedlichen
Kulturen kommen. Haben Patient und Therapeut nicht das gleiche Geschlecht,
stellt sich die Situation hingegen kritischer dar.
Schlüsselwörter: Stimmlippenlähmung, Schlaffhorst-Andersen-Methode, Beziehung Therapeut-Patient, nonverbale Kommunikation, Metaphern