Selektiver Mutismus im Zusammenhang mit Sprachstörungen bei
zweisprachig aufwachsenden Kindern: Fragen der Differentialdiagnose
Maria Vlassopoulos (marvlas@otenet.gr)
University of
Department of Psychiatry
Athens, Greece
In
der Forschung wird davon ausgegangen, dass der Verbreitungsgrad von selektivem Mutismus (SM) bei Kindern aus Immigrantenfamilien
signifikant höher liegt als bei Muttersprachlern. Die Diagnose des selektiven Mutismus bei Immigrantenkindern bzw. Kindern einer
sprachlichen Minorität ist jedoch schwierig, da sich einige Kinder beim Erwerb
der Zweitsprache in einer „Silent Period“
befinden können, die im Laufe der normalen zweisprachigen Sprachentwicklung
auftreten kann. Im Gegensatz zu diesem Phänomen leiden zweisprachige Kinder mit
SM in der Regel in beiden Sprachen unter Mutismus,
und zwar in verschiedenen Situationen und für lange Zeitabschnitte.
Viele
Kinder mit SM können sowohl anfällig für soziale Ängste sein als auch unter
Sprech- und Sprachstörungen/-verzögerungen sowie unter anderen hirnorganisch
bedingten psychischen Störungen leiden.
Bei
zweisprachigen Kindern muss eine Differentialdiagnose sicherstellen, dass die
Sprachstörungen nicht auf mangelhafte Kenntnisse der erworbenen Sprache
zurückzuführen sind, da in einem solchen Fall kein SM zu diagnostizieren wäre.
Darüber hinaus muss auch untersucht werden, ob Sprachstörungen oder
hirnorganisch bedingte psychische Störungen vorliegen.
In
diesem Referat wird ein multifaktorieller Ansatz zur
Beurteilung der miteinander zusammenhängenden Schwächen dieser Kinder
vorgestellt. Eine Beurteilung sollte eine umfassende Auswertung sämtlicher
relevanten Faktoren beinhalten, die wiederum wichtige Anhaltspunkte bezüglich
der Therapie und der Prognosen für das Kind und dessen Familie liefern.
Es
werden zwei Fallstudien zweisprachiger Kinder mit SM und Sprachstörungen
vorgestellt und die Folgen für die Behandlung diskutiert.
Schlüsselwörter:
Selektiver Mutismus, Sprachstörung, Mehrsprachigkeit